Samstag, 6. Januar 2018

The Hunger Games I: wie ess-gestört sind wir eigentlich

Wenn ich Hunger habe, werde ich nicht zur Diva, ich werde zum Wolf. Ich würde unüberlegt meine Großmutter verschlingen, wenn mein Magen nach Essen schreit.

Da scheine ich nicht allein zu sein. Gerade bei uns Frauen ist die emotionale Lage schlicht und ergreifend reines Bauchgefühl. Wenn der Hunger kommt, herrscht Krieg.

Essen ist Bauchsache und auch Seelenspiegel. Essen ist mit unseren Emotionen tief verknüpft, denn schließlich ist es ein Grundbedürfnis. Wenn das vernachlässigt wird, gibt´s Probleme.



Richtig schlimm wird´s wenn man dann trotzdem nicht isst

Natürlich wäre es einfach, wenn man sich einfach was hinter die Kiemen schiebt und dann entspannt und fröhlich weiterzuckelt. Aber wenn man dann trotzdem nicht isst und diesen Zustand beibehält, dann haben wir nicht nur ein unterzuckertes Problem.

Menschen, die nicht regelmäßig essen, haben nicht nur ein körperliches Problem (zu dick, zu dünn), sondern sind emotional nicht mehr stabil. Sie kompensieren den emotionalen Stress dann, indem sie entweder einer Fressattacke unterliegen oder sich dem Essen komplett verweigern.

Hunger wird auf die eine oder andere Art zur Selbstgeißelung, eine Art Hunger Game, dass wir täglich mit uns selbst spielen.


Hier typische Beispiele von Hunger Games:


I. Ich esse für andere
Eigentlich sind wir ja aus dem Kindesalter raus, wo es hieß:" ein Löffelchen für Papa, einen für Mama...". Aber irgendwie geht das immer so weiter, vor allem wenn man dann bei Oma oder Tantchen sitzt und man dann genötigt wird die tausendste Sahnetorte in sich rein zu schieben. Aber wenn man "Nein" sagen würde, würde man dann nächtelang mit Omas enttäuschter Miene hadern müssen. Nein, das will man sich nicht antun, den Frieden wahren und das nächste Stück aufgeladen bekommen, obwohl es einem schon schlecht ist und man das Gefühl hat, die Sahne quillt einem zu den Ohren raus.

Das Los von Eltern ist auch, dass sie ständig Mülleimer für die Nachzucht spielen müssen. Eigentlich will man nichts mehr, aber der Junior hat den halben Teller stehen lassen und gutes Essen soll man ja nicht wegwerfen. Naja, ist ja nur ne halbe Portion, die ist schnell verputzt.


II. Ich esse nichts mehr, wegen anderen
Kennt ihr die Kollegen, die ständig beim gemeinsamen Essen anfangen zu pietzen? Da geht man fröhlich zum Italiener und freut sich auf die Megapizza-Schlacht, da quakt es auch schon von Kollegin XY, deren 45 kg Schatten mit stumpfen Haar hohlwangig am Kopfende sitzt: " Also ich will nur einen Salat. Wie könnt ihr nur Pizza essen, das ist so ungesund und macht dick. Wollt ihr denn alle fett werden?! Gerade Du," sie zeigt auf Dich " Du wolltest doch abnehmen, ich dachte schon, dass Du einknickst..." Irgendwie hat man jetzt keinen Bock auf Pizza mehr, bestellt seinen Salat, denn als Vielfrass will man ja auch nicht gelten. Und 1 Stunde später grummelt der Magen und die gute Laune ist vorbei. Aber gut, dass man noch ein paar Schokoriegel im Schreibtisch versteckt hat. Die finden sich übrigens auch zuhauf bei der Kollegin, die wie ein Hauch von Nichts zum Kopierer wankt.


III. Ich esse heimlich, wegen ständiger Kritik
"Du könntest auch mal ein bisschen mehr zunehmen, bei Dir sieht man ja alle Knochen!" gerade von der lieben Verwandtschaft kennt man diese Sprüche bereits. Man ist entweder zu dick oder zu dünn. Gerade wenn man eine starke körperliche Veränderung durchgemacht hat, hagelt es Kritik. Da würe es besser, man würde sich einen anständigen Topfhaarschnitt zulegen, dann wäre die Kritik wenigstens begründet. Wenn es im Kreise Lieben passiert, ist das hart und extrem unfair. Einmal Dickerchen, immer Dickerchen. Oft beginnt man mit heimlichem Essen, damit man nicht kritisiert wird. Man schämt sich davor Hunger zu haben und sein Grundbedürfnis zu stillen. Nächtliche Besuche am Kühlschrank sind damit vorprogrammiert, im schlimmsten Falle folgt danach die Entsorgung des Mageninhalts in die Toilettenschüssel.


IV. Ich esse anders als mir gut tut
Ernährungs-Trends überschwemmen den Markt. Heute ist es vegan, morgen low-carb und übermorgen was auch immer. Mittlerweile gibt es viele Info-Quellen zu den unterschiedlichsten Trends im Futtergewerbe. Was einem gut tut, das ist jedoch eine andere Geschichte. Wenn man durch eine bestimmte Ernährungsweise sehr schnell einen Abnehm-Erfolg erzielt hat, gibt einem das erstmal Recht und ein tolles Gefühl. Ziel erreicht, es war der richtige Weg. Spätestens wenn sich Unverträglichkeiten melden oder Mangelerscheinungen auftreten, dann erhält man die Kehrseite der Medaille. Man ist gezwungen sich wieder mit dem Thema auseinanderzusetzen, nur mit anderem Hintergrund und der fiese Jojo-Effekt lauert schon hinter der nächsten Ecke. Schon mal einen Zahn nach einer Diät verloren? Das kommt häufiger vor, wie man sich vorstellen möchte.


V. Ich versuche nicht zu Essen
Gerade wenn man seinen jugendlichen Traumkörper behalten möchte, gibt es unterschiedliche Methoden ihn auf Linie zu halten. Sport ist eine Methode, die gesund ist - wollen nur manche Leute nicht machen, denn das ist anstrengend. Dämlich ist der Gedanke, dass man Sport ja sausen lassen kann und man den Traumkörper so erhält, in dem man einfach nicht isst, sprich Mahlzeiten auslässt oder sich nur noch durch Flüssignahrung ernährt. Bei jungen Frauen sehr beliebt deswegen: Baby-Gläschen mit reinem Fruchtmus. Hat ja alle Vitamine die man braucht, feste Nahrung braucht der Körper ja eh nicht mehr.... ne, is klar oder? Wenn man dann versucht schnell noch den nächsten Bus zu kriegen und anfängt zu laufen, merkt man, dass so komische schwarze Punkte sich in die Sicht mischen und irgendwie fühlt man sich gar nicht mehr fit, sondern sehr matt und wackelig und.... hoppla.


VI. Ich koche nicht 
Kochen tun nur Hausfrauen und da man sich selbst nicht zu dieser Gattung zählt, kocht man nicht. Fertigfutter, McDick, Pizzaservice und Restaurantbesuche stehen auf dem Speiseplan. Ist teuer, aber wenn man so beschäftigt ist, hat man keine Zeit für so was Lästiges wie Kochen. Dabei ist man am Ende auch nicht wählerisch, denn Essen liegt ja immer auf dem Weg, wenn der Hunger sich meldet. Was da drin ist, ist auch egal. Hauptsache schnell und effektiv den Hunger besiegt. Im Kühlschrank ist nur Platz für Bier oder Sektchen. Im Vorratsschrank stehen Chips und Popcorn, ab und zu eine Tafel Schokolade, aber nur eine, denn Schoki macht dick. Und wenn man mal so richtig Hunger auf gute Hausmannskost hat, dann lädt man sich selbst einfach zu Mutti ein, denn die kocht ja am Besten - besser gesagt als Einzige. Und Mutti steht den halben Tag in der Küche, damit der Bub auch endlich was "Richtiges" wieder auf dem Teller hat.... und der bringt zum Dank nicht nur einen gesunden Appetit mit, sondern auch seine Dreckwäsche. Passt doch.


VII. Ich überbrücke 

Hunger meldet sich dauerhaft. Wie lästig doch der Körper ist! "Ich muss was futtern" sagt der Magen, das Gehirn und die Laune. Zeit hat man für´s Essen gerade überhaupt nicht. Frühstücken tut man nie. Gut, dass die Naschschublade mit Glücklichmachern in der Nähe ist. Nach 45 min quengelt der Magen schon wieder. Hört das denn nie auf?! Dabei sind wir doch so beschäftigt. Hier noch im Fratzebuch schreiben, dann kurz eine rauchen oder die neusten Modetrends im Web durchforsten, wir sind unglaublich busy. Dabei haben wir keine Zeit uns nen Apfel zu schneiden oder eine Banane zu schälen. Es geht schneller den Hunger kurzfristig mit Naschwerk zu betäuben. Hält bloß nicht lange an und am Abend hauen wir uns Pasta oder ein Viertel Kilo Brot rein, damit der doofe Hunger endlich die Klappe hält.


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Was ist Dein persönliches Hunger Game? 

Im nächsten Artikel findest Du ein paar Tipps, wie Du den Ring Deines persönlichen Hunger Game durchbrichst. Hier geht´s lang zu Teil II  +klick+

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