Sonntag, 25. November 2018

Botanisches Malen- meine Tipps für den Einstieg

   
Dieses Jahr habe ich mit dem Botanischen Malen angefangen. Gäähn, wie langweilig, denkt jetzt der eine oder andere. Aber ich finde es total spannend, wenn man sich näher damit beschäftigt. Außerdem liebe ich das Malen. Und so erging es mir:

Warum Motivation allein nicht reicht

So, nun hab alle meine Materialien zusammen: Bleistift, Farben, Skizzenbuch und ganz, ganz viel Motivation.

Ich fühle mich wie Maria Sibylla Merian, als ich mich in meinem Garten auf die Suche nach dem perfekten Motiv mache. Ich bin eine Forscherin auf der Pirsch nach dem perfekten Objekt. Selbstverständlich will ich alles richtig machen und schaue mich um, welches Motiv die Ehre haben wird als Erstes in meinem noch jungfräulichen Skizzenbuch verewigt zu werden.

Gut, ich hab ewig nicht mehr gezeichnet... so richtig gemalt schon seit Ewigkeiten nicht mehr. Aber das muss ja Nichts heißen. Da werd ich schon wieder reinkommen.


Ich bin der festen Überzeugung, ich könnte mit etwas Übung Marjolen Bastin Konkurrenz machen. Ja, heute wird ein guter Tag! Ich spüre es deutlich! Heute entsteht ein episches Kunstwerk!

Da, meine Schwertlilie... perfekt, so eine Schönheit. Aber mmmh, sieht schwierig und kompliziert aus. Die Farbe, die Blattadern, die Form, im meinem Kopf dreht sich alles. Wie setze ich das um? Öhm, wie fange ich am Besten damit an?

Vielleicht doch einfach nur das Gänseblümchen da drüben... Meine Güte, hat das viele Blütenblätter... mmh... einfach ist das auch nicht. Ich möchte doch, dass es perfekt aussehen wird.

Irgendwie dämmerte es mir, dass das trotz meiner tollen Motivation in die Binsen geht. Ich merke gleich, ich krieg meine erste Künstlerblockade - und dabei hab ich noch nicht mal angefangen - Hilfe!

 Mein allererstes botanisches Aquarell und Einstiegsprojekt in meinem Kurs


Schlimme Dinge könnten geschehen... oder auch nicht...


Nun gut, Botanische Malerei ist wirklich eine Sache für sich. Das einfachste Thema hatte ich mir definitiv nicht rausgesucht. Wenn man sich im Web umschaut, wird man erschlagen von Kunstwerken, die Fotografien gleichen. So perfekt, so detailgetreu und dann schau ich in mein Skizzenbuch und denkt nur: na, wenigstens sieht man, dass es eine Blume ist.

Also, einfach durchatmen, denke ich mir,  und alles nochmal auf Anfang. Soviel Bilderflut läßt den eigenen Perfektionsimus übersprudeln und man verzettelt sich unglaublich schnell, bis man das Gefühl hat, man sollte am besten gar keinen mehr Pinsel anfassen, da sonst schlimme Dinge passieren könnten - oder auch genau das Gegenteil.

Nach meinen ersten Erfahrungen, kann ich Dir für den Einstieg in das Botanische Malen folgende Tipps geben:


Tipp 1: Belege einen Kurs

In meiner Verzweiflung habe ich einen Online Kurs gebucht. Empfehlungs-Links dazu findest Du unten im Artikel. Es war sehr hilfreich für mich, erstmal den Instruktionen zu folgen und dann selbstständig weiterzumachen. Am Ende wächst man durch ständiges Üben.

Da ich immer viel unterwegs bin, ist gerade ein Online Kurs das Richtige für mich. Ich kann selbst bestimmen, wann ich ins nächste Kapitel einsteige und mir meine Zeit dabei einteilen. Dabei wachse ich an meinem Aufgaben, die mir selbst stelle und verliere die Angst vor dem leeren Blatt und dem Projekt.
Ich vernetzte mich mit Online-Communities, um selbst mal ein Bild von der Arbeit anderer zu bekommen. So kann ich Schritt für Schritt meinen eigenen Stil entwickeln und langsam, aber stetig mich verbessern.

Tipp 2: Entwickele einen gesunden Perfektionismus

Gerade am Anfang, will man alles richtig machen und dann klappt irgendwie gar nichts mehr. Der eigene Perfektionismus sabotiert das Vorhaben. Deswegen ist es wichtig, dass Du mit Dir selbst geduldig und liebevoll umgehst. Lernen kann man am besten durch Fehler.

In der dokumentarischen Botanischen Malerei ist gerade die Präzision so wichtig, um eine Pflanze detailgetreu darstellen zu können. Aber das soll Dich nicht stören. Du musst ja keine botanische Doktorarbeit verfassen.

Ich musste meinen Perfektions-Geist erstmal austreiben, damit ich überhaupt anfangen konnte. Freies Herz, Geist und Verstand bringen die besten Ergebnisse.

Mein Perfektionismus verschwindet nicht. Aber ich habe ihn besser im Griff. Ganz verschwinden soll er auch nicht, sonst fehlt mir der essentielle Gedanke an meiner Aufgabe zu wachsen.

Wichtig ist auch, dass Du Freude und Spaß daran hast.


Der Löwenzahn, es geht schon besser

 

Tipp 3: Arbeite mit Skizzenbüchern


Ich habe viele Skizzenbücher, bei den meisten finde ich den Inhalt schrecklich hässlich, kann sie aber irgendwie nicht wegwerfen. Durch den Kurs und im Austausch mit anderen MalerInnen, habe ich jedoch gelernt, dass Skizzenbücher sehr wertvoll sind.

Du wirst nicht von Anfang an ein Kunstwerk schaffen können, aber du kannst mit Skizzenbüchern Deinen Fortschritt dokumentieren und alles ausprobieren, was Dir gerade in den Sinn kommt. Ein Skizzenbuch darf Fehler beinhalten. Wir sind ja nicht auf einer Kunstakademie, die uns eine schlechte Note gibt.

Du kannst unterschiedliche Materialien verwenden, wie Fineliner, Filzstifte, Buntstifte, Aquarell- oder Pastellfarben. Oder nur einen Bleistift. Das hat auch Stil. Nichts hält Dich auf.

Tipp 4: Botanisches Malen heißt Zwiesprache mit der Pflanze

Erster Grundsatz ist, dass man das Gewächs, welches zu Papier gebracht werden soll, auch bestimmt. Das gehört zum guten Ton. Motiv "ohne Titel" ist also nicht. Dabei hilft Dir dann auch ein Bestimmungsbuch, wir wollen ja stilsicher einsteigen, oder nicht?

Aber wenn Du HerbalistIn bist, ist das ja kein Problem. Wenn Du nicht weißt, welche Pflanze es ist, weißt Du sicher wo Du nachschlagen kannst.

Ähnlich wie beim Verarbeiten von Pflanzen, sehe ich immer eine gewissen Zwiesprache mit ihr. Liebevoller, respektvoller Umgang, dazu auch die Verantwortung, nicht alles gleich zu pflücken und mit nach Hause zu nehmen. Es könnte sich um eine geschützte Art handeln. Dann lieber ein Foto machen, wenn Du Dir nicht sicher bist.

Tipp 5: Bleib dran - denke nicht, tu es einfach

Zeichnen und Malen lernen ist kein Hexenwerk, auch wenn es einem manchmal so vorkommt. Du brauchst nur Übung und Geduld. Klingt einfach, aber es ist manchmal ein echter Stresstest. Aber dafür hast Du Dein Skizzenbuch, Fehler sind willkommen, sie bringen Dich weiter. Du kannst einfach eine Seite umschlagen und wieder von vorne beginnen.

Schaffe Dir zum Malen eine schöne Atmospähre, vielleicht mit einer Räucherung, einer ruhigen Hintergrundmusik und einem feinen Tee.

Schalte den Perfektionismus auf low power und fang einfach an. Das ist die beste Medizin. Nicht denken, einfach machen... und dann flutscht es, Du schulst Dein Auge und wirst immer besser.

Pflanzen malen schafft einen anderen Blickwinkel zur Natur

Jedes Auge sieht anders und im Gegenteil zum Foto, schafft ein Gemälde einen anderen Blickwinkel. Ich sehe ein Gemälde als "Seelensprache", das mit dem Betrachter kommuniziert und das Herz berührt.

Es gibt Dir Ruhe im Moment und in der Pflanzenkommunikation. Die Natur kann so wunderschön komplex sein, dass sich immer ein zweiter Blick auf die Pflanzenwelt lohnt. Es gibt so viel zu entdecken und kennenzulernen.

Und es lohnt dieses Abenteuer mit Pinsel und Farbe zu bestreiten. Auf geht´s!

Interessiert Dich ein Online Kurs? Hier meine Empfehlungen:

  • Online Aquarell Kurse von Gesche Santen (deutsch) +klick+
  • Online Kurse mit Farbstiften von Wendy Hollender (englisch) +klick+


Wenn Du mehr über mein Hobby erfahren möchtest, dann schau auf meinen zweiten Blog, der sich um Farbe und Malen dreht:

Dort findest Du neben meiner Bilder auch Tipps zum Material, Experimentelles und Literatur-Tipps.
Schau doch mal vorbei. Ich freue mich auf Dich.

https://isabellalovesflowers.blogspot.com

Kommentare:

  1. Liebe Isabella,
    ich kann gar nicht malen. Schön zu wissen, dass man dies erlernen könnte. Das wäre etwas für die langen Wintertage.
    Dir einen gemütlichen Sonntag und
    liebe Grüsse
    Eda

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    1. Liebe Eda, es ist wirklich einfacher als man denkt. Am Ende kann es wirklich jeder. Wenn Du es mal versuchen möchtest, dann schau mal auf meinem ersten Empfehlungslink von Gesche Santen nach. Sie hat tolle Videos über das Thema. Neugierde ist immer die perfekte Voraussetzung - einen Versuch ist es zumindest wert. Liebe Grüße Isabella

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